Von Thomas Hüsson-Berenz
„Hospiz will sterbenden Menschen helfen, ihr Leben bis zuletzt lebenswert zu gestalten, denn Leben und Sterben gehören zusammen. Sterbebegleitung ist somit Lebensbegleitung.“
Soweit hatte ich mich schon schlau gemacht, als ich nach Verabredung mit der Leiterin Christa Schlecht den Hospizdienst besuchte.
Die 21 Frauen und zwei Männer treffen sich – aufgeteilt in zwei Gruppen – monatlich zur Besprechung, Supervision, Weiterbildung. Warum machen sie das. Was sind die persönlichen Gründe? Da ist das Gefühl, im Leben beschenkt worden zu sein und etwas von diesem „Kuchen“ weitergeben zu können, oder die „spirituelle Erfahrung“ bei der Begleitung Sterbender, der „eigene Weg, mich mit Leben und Tod auseinanderzusetzen“, oder die Dankbarkeit, bei dem als sehr intim beschriebenen Geschehen des Sterbens eines Menschen dabei sein zu dürfen und jenseits aller Oberflächlichkeit einen sehr persönlichen, sehr unmittelbaren Kontakt zu erleben.
Ohne Zweifel: wer Sterbende begleitet, ist persönlich sehr beteiligt; gleichwohl oder gerade deswegen sei aber eine innere Abgrenzung auch wichtig. Jeder Sterbende berühre, und jeder Mensch sterbe auf seine Weise.
Nehme man also die Sterbenden an die Hand? Nein, ist die überraschende Antwort, „wir lassen uns von den Sterbenden an die Hand nehmen, wir gehen mit“.
Im letzten Jahr wurden 70 Menschen begleitet, ein Viertel jünger als 60 Jahre. Die Begleiter kommen ins Krankenhaus, ins Samariterstift oder nach Hause, sie kommen täglich oder einmal wöchentlich, nur zur Nacht oder auch zwei Tage und Nächte durchgehend.
Die Hilfe gilt auch den Angehörigen, ihrer praktischen Unterstützung und ihrer Trauer.
Christa Schlecht bespricht in dem Kontaktgespräch mit den Angehörigen den jeweiligen Bedarf und erläutert den Dienst, sie entscheidet auch, welche Begleiterin im Einzelfall am geeignetsten scheint - und wer auch gerade die Zeit hat.
Träger des Hospizdienstes – seit 2003 im Vereinsstatus, Vorsitzende ist die Ruiter Klinikseelsorgerin Ute Wolff – sind acht Ostfilderner Kirchengemeinden, ferner gehören ihm Einzelpersonen an.
Den Sterbebegleiterinnen ist der Auferstehungsglaube gemein, aber auch der Respekt vor dem persönlichen Glauben – oder Unglauben – der Sterbenden. Das wichtigste aber ist, sie sind da, wenn die Not groß ist, wenn die Angst kommt. Sie sind eine starke Hilfe und ein starkes Ausrufezeichen für ein würdevolles Leben und ein würdevolles Sterben.
